Weingut Dautel, Bönnigheim
Es ist bereits die 20. Generation an Weinbauern der Familie Dautel, die heute von Ernst Dautel repräsentiert wird. Bis in das Jahr 1510 lässt sich ihre Geschichte zurückverfolgen. Ein stolzes Erbe, eine verpflichtende Tradition. Doch Ernst Dautel war von Anfang an fest entschlossen, dieses Erbe nicht nur zu pflegen, sondern es weiter zu entwickeln.
Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg war der Ausstieg aus der Winzergenossenschaft, zu deren Gründungsmitgliedern sein Vater noch gehört hatte. Mit 1,5 Hektar Rebfläche startete Ernst Dautel sein eigenes Weingut Ende der Siebzigerjahre. Als er dann 1984 seinen großzügig angelegten, modern ausgestatteten Neubau am Ortsrand von Bönnigheim bezog, waren es bereits vier, heute sind es 11,5 Hektar.

Doch die Größe macht es nicht allein. Dass er es auch geschafft hat, sich in die Riege der Spitzenwinzer hochzuarbeiten, dass er der kleinen Stadt Bönnigheim, deren Weinberge bereits vor 1200 Jahren urkundlich erwähnt wurden, durch seine Schaffenskraft weiteren Glanz verliehen hat, beweisen nicht nur die Trauben im Gault Millau, sondern zeigt auch eine besondere Auszeichnung durch das Land Baden-Württemberg: Anfang 2008 wurde Ernst Dautel mit einem Stern auf dem „Platz des Guten Geschmacks“ im zentralen Eingangsbereich der Neuen Messe Stuttgart ausgezeichnet. Das heißt: Ernst Dautel hat sich „um das Genießerland Baden-Württemberg verdient gemacht und den guten Ruf des Landes als eine der führenden Genussregionen glaubhaft verstärkt“. Anderes kommt hinzu: Bereits zum dritten Mal nach 2003 und 2006 ist dem Weingut Ernst Dautel auch 2008 die Auszeichnung „Kollektion des Jahres Württemberg“ verliehen worden, weil es zu den Erzeugern gehört, „die für ihr Anbaugebiet das beste Sortiment mit einer herausragenden Qualität präsentiert haben“.
Wenn einer so weit kommen will, muss er ein klares Ziel vor Augen haben, darf sich nicht jeder Mode unterwerfen. „Irgendwelchen gerade mal aktuellen modischen Trends laufen wir grundsätzlich nicht hinterher“, sagt er – und als Beispiel nennt der den (inzwischen schon wieder rückläufigen) Rotwein-Boom. Hier schnell auf den Zug aufzuspringen, das kam für ihn nicht in Frage: „Nur weil sich der Geschmack kurzfristig wandelt, hacken wir doch nicht wertvolle alte Reben raus und pflanzen neue. Das ist für die Qualität nicht gut.“ Das jahrhundertealte Erbe ist hier Verpflichtung –
Beim Weißwein ist der Riesling vorherrschend. Natürlich wurden auch Rebsorten wie Chardonnay gepflanzt. Doch obwohl dieser sofort große Beachtung fand und noch immer findet, bleibt der Anteil hier gering. „Wir setzen auf regionale Sorten, nicht auf das Schlagwort von Internationalität und Globalisierung“, erklärt Ernst Dautel. „Eine Sorte wie der Weißburgunder passt einfach besser zu uns.“ Folgerichtig setzt er einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Weiterentwicklung heimischer Sorten, zu denen er neben Riesling und Weißburgunder auch Lemberger und Spätburgunder zählt.

Das heißt freilich nicht, dass er nicht auch Neuem aufgeschlossen ist. Seit 1985, seit einer Zeit also, als dies noch „völlig unkonventionell bei uns“ war, baute Ernst Dautel die ersten Weine im Barrique-Fass aus. „Ich sah doch, dass das nicht nur eine Modeerscheinung war“, erinnert er sich. „Und ich sah auch, dass etwa in Frankreich die besten Weine im Barrique ausgebaut werden..“ Über Konventionen setzte er sich auch hinweg, als er im „sortenreingeprägten Württemberg“ 1990 die ersten Cuvées vorstellte, etwa die „Kreation Rot“, die der Gault Millau neben den Merlot zu den Weinen Ernst Dautels zählt, die „ganz oben in der Spitze des Anbaugebiets mithalten können.“

Der 1977 eingeschlagene Weg in die Selbstständigkeit ging für Ernst Dautel ständig bergauf – sowohl was die Mühe als auch was den Erfolg betrifft. Jetzt ist er zuversichtlich, dass er dieses Erbe in gute Hände übergeben kann. Sein Sohn Christian hat sein Studium, wie Ernst Dautel seinerzeit auch, in Geisenheim abgeschlossen und arbeitet seit 2010 im elterlichen Betrieb mit.









